Terra Nova

Terra Nova Editorial vom 16.11.23

„Alle Menschen, auch die schlimmsten, sind mit der Heiligen Matrix verbunden, sonst könnten sie gar nicht leben.“ Dieter Duhm

Liebe FreundInnen von Terra Nova,

heute sende ich dir einen Friedenstext von Dieter Duhm, dem Mitgründer von Tamera – und 12 Bitten für den Frieden von Susanne Triner.

Beide Texte haben mich in ihrer wirklichkeitsweckenden Kraft berührt, bei all ihrer Unterschiedlichkeit. Warum sollten aber wir noch einen Text für Israel-Palästina lesen? Gibt es denn überhaupt Hoffnung, dass der Krieg dort jemals endet? Genau diese Frage bewegte Dieter Duhm zu seinem Text – ihm ging es so wie vielleicht den meisten von uns: Sein Geist war nach den Hamas-Massakern und der seitdem ständigen Bombardierung Gazas im Schockzustand – bis er sich an die heilige Matrix des Lebens erinnerte. An die Realität der Friedensmöglichkeit – auch jetzt noch.

Bei all dem, wo derzeit viele Menschen unterschiedlich denken, manchmal leidenschaftlich anders, wo wir debattieren und diskutieren wollen, wo denn jetzt die Wahrheit liegt und wer ungerecht behandelt wird – das Wichtigste im Moment ist das Ringen um einen gemeinsamen Grund. Und worin anders könnte der bestehen als im Besinnen auf eine Friedensvision! Krieg kann nie mit Krieg beendet werden! Die „Feinde“ werden nicht verschwinden. Früher oder später werden wir lernen müssen, miteinander zu leben – uns irgendwann sogar zu lieben. Im Moment können wir uns auf die Basisforderungen einigen: „Waffenstillstand jetzt! Freilassung aller Geiseln jetzt!“ Alles andere kommt dann.

Vielleicht sehe ich einige von euch am 25. November in Berlin?

Mit herzlichen Friedensgrüßen

Christa

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Zwölf Bitten für den Frieden

von Susanne Triner

 
Susanne Triners «zwölf Bitten zur aktuellen Situation im Nahen Osten» ist ein Appell an alle Beteiligte, im Leid des anderen den eigenen Schmerz wiederzuerkennen.
 

 

Ich spreche meine zwölf Bitten mit der Hoffnung aus, dass dieser lange Konflikt durch uns alle gemeinsam zu einem Ende gebracht wird. Wir haben die geistige Kraft, dies zu erwirken.

Weshalb ich?

In meiner Jugend habe ich alle Literatur verschlungen, die über das jüdische Volk und seine tausendjährige Geschichte vorhanden war. Bei Professor Weinreb, Basel, habe ich die Kabbala und die 72 Heiligen Namen studiert.

Während den Kriegen Israels war meine Generation auf der Seite des Jüdischen Volkes, das doch endlich eine Heimat finden sollte. Ich sehe Golda Meir, die damalige Ministerpräsidentin Israels, vor mir, wie sie über die Brillengläser hinweg sagte: «Ein Land ohne Menschen, für Menschen ohne ein Land».

2005 ging ich zum ersten Mal an den tiefsten Punkt der Erde, in die älteste Stadt der Welt. Es ist Jericho, die Palmenstadt im Jordantal, in einer der A-Zonen der Palästinensischen Territorien. Ich kannte weder die Palästinensische Geschichte noch die Arabische Kultur. In der Zwischenzeit habe ich viel gelernt.

 

Eine erste Bitte geht an das Jüdische Volk, das sich in Israel-Palästina seit 1882 angesiedelt hat. 

Ich kann nur versuchen nachzufühlen, was es bedeutet, in ursprünglichen Gesellschaften ausgeschlossen, zum Sündenbock gestempelt, aus den eigenen vier Wänden vertrieben zu sein und dem eigenen Tod ins Auge sehen zu müssen. Euch als Nachkommen derjenigen, die gelitten haben, möchte ich jetzt zurufen: Nehmt wahr, was in eurem jetzigen Land geschieht, fühlt den Schmerz derjenigen, denen das gleiche Schicksal widerfährt, das ihr aus Eurer Geschichte so gut kennt. Wiederholt nicht an den Menschen, die man als eure Verwandten bezeichnen könnte, was euch angetan wurde. Ihr habt es in der Hand, eure Regierung zu stoppen, diesem Irrsinn ein Ende zu bereiten und die Türe zu einem friedlichen Miteinander zu öffnen. Ihr bestimmt darüber, ob das Land Israel zum Leben erweckt und Realität wird.

Eine zweite Bitte geht an das Palästinensische Volk.

Wenig andere Völker haben in den letzten Jahrzehnten so viel Leid erfahren wie ihr. Ihr tragt die Entscheidungen der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs auf Euren Schultern. Das Volk, das euer Land übernommen hat, profitiert von der Lüge des leeren Landes. Euer Land war nicht leer, ihr und eure Ahnen habt in Palästina gelebt. Diese Tatsache soll jetzt auf den Konferenztisch gebracht werden. Ich bitte darum, zu unterscheiden zwischen den Entscheidungen der Regierungen und den Menschen, die ins Land eingereist sind. Ihr wart mal Freunde, lasst diesen Ansatz eine Hoffnung für die Zukunft sein. Weiterlesen

Israel-Palästina: Die ewige Fortsetzung eines ausweglosen Krieges?

von Dr. Dieter Duhm, Tamera November 2023

In Nahost entscheidet sich mehr als die Zukunft zweier Völker. Wenn hier Frieden gelingt, dann wird etwas Neues für die Menschheit gelungen sein. Wie könnte – auch jetzt noch  die heilige Matrix siegen? Was können wir dafür tun?

Kapitel 1. Das Schicksal des jüdischen Volkes

Die Völker, die heute gegeneinander kämpfen, kommen alle aus einer sehr dunklen Geschichte von Vertreibung, Krieg und Verfolgung. Sie alle tragen diese Geschichte als Erbgedächtnis in sich. Ganz besonders schlimm hat es das jüdische Volk getroffen. Seit den Kreuzzügen wurden sie überall verfolgt und umgebracht. Der Höhepunkt dieser kollektiven Tragödie war der millionenfache Judenmord im Nazideutschland, der seit der Reichsprogromnacht am 9. November 1938 zur Staatsraison des „arischen“ Menschen erklärt wurde.Was dann in den Konzentrationslagern geschah, war so entsetzlich, dass es sich unserer Vorstellungskraft entzieht.
Dies ist das erste Kapitel der furchtbaren Geschichte, die wir jetzt wieder erleben. Aber die Geschichte geht weiter. Als unter Ben Gurion 1948 der neue Staat Israel gegründet wurde, kam es zu dem Kampf mit den umliegenden arabischen Völkern, der bis heute anhält.

Kapitel 2: Wer Gewalt erlebt hat, ist fast immer bereit, diese Gewalt an andere weiterzugeben.

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